Beim letzten Abendansitz auf Fuchs durften wir einen besonders schönen Sommeranblick genießen. Eine schwarze, Ricke näherte sich unserem Stand auf 50m. Ein Genuss die Kreatur in tiefschwarz glänzendem Kleid zu erblicken. Ein Grund für unseren kurzen Abriss, unser schwarzes Rehwild vorzustellen. 

Schwarzes Rehwild ist verstärkt im Tiefland Norddeutschlands verbreitet. Für viele Jäger ist es eine Rarität einmal einen schwarzen Bock zu strecken. Die sehr edel aussehenden Stücke erreichen vor allem in den Sommermonaten ihre volle Pracht, wenn die Decke sich in eine besonders tief strahlendes Schwarz wandelt.

Schwarzes Rehwild

Schwarzes Rehwild ist keine eigene Rehwildart, auch wenn dies vereinzelt behauptet wird. Lediglich in der Farbe der Decke unterscheiden sich diese Stücke von der restlichen Population. Der Grund dafür ist lediglich eine Farbanomalie, die durch Mutation entstanden ist. Dabei wird die ursprüngliche Rotfärbung durch das vorhandene schwarze Pigment unterdrückt. Über Jahrhunderte hinweg wurde dieser Melanismus rezessiv weitervererbt.  Wird gemäß der Veerbungslehre das dauerhaft veränderte rezessive Erbgut weitergegeben, bestehen gute Chancen dass innerhalb einer Population vermehrt schwarze Stücke auftreten. Da die ursprüngliche Rotfärbung beim Rehwild jedoch dominant vererbt wird, ist es möglich, dass eine rote Ricke schwarze Kitze führt oder eine schwarze Ricke rote. Somit ergibt sich der Phänotyp des schwarzen Rehwildes, welches bei uns in Niedersachsen zu finden ist.

Erscheinungsbild

Im Winter wandelt sich die Decke in ein teilweise sogar tiefes Grau. Verfärben die Stücke, erscheint die Decke zunehmend dunkler und schwarz, bis sie im Sommer kräftig leuchtet und glänz. Die Unterseite kann dabei heller oder teilweise grauer erscheinen. Kitze werden bereits im schwarzen Kleid gesetzt und sind wie gewöhnlich weiß bepunktet.

Schwarze Stücke verhalten sich nicht anders als das übrige Rehwild. Das schwarzes Rehwild aufgrund der Färbung besonders nachtaktiv ist, ist Quatsch. Die üblichen territorialen Verhaltensweisen beim Rehwild sind unabhängig ihrer Deckenfärbung. Schwarze Rehe findet man immer wieder in der kargen Jahreszeit in Sprüngen roter Stücke. Die begehrten schwarzen Böcke verhalten sich ebenso territorial und treten wie sonst auch einzeln auf.

Populationsmanagement

Um die Verbreitung vom schwarzen Rehwild gezielt zu fördern gibt es im Grunde nur die Möglichkeit schwarze Stücke, insbesondere Ricken zu schonen. Somit erhöht man die Chance, dass die rezessiv vorhandene Gene auch den gewünschten Phänotyp ergeben. Die zweite Möglichkeit, rote Stücke gezielt und besonders verstärkt zu bejagen, kann bei Reduzierung des Gesamtbestandes dazu führen, dass die Gesamtpopulation auf über 70% an schwarzen Stücken anwächst. Die Revieren in denen schwarze Stücke vorkommen, gelten in der Regel daher gesonderte Hegemaßnahmen für schwarzes Rehwild.

Ziel ist es zumeist auch, einen starken schwarzen Bock als Abschuss zu verkaufen und an Jagdgäste zu vermitteln. Das waidwerken auf einen schwarzen Bock sollte nach Möglichkeit Ende Mai stattfinden, wenn die Decke bereits tiefschwarz glänzend ist. Damit die Schönheit dieser besonderen Rarität auch erhalten bleibt, empfiehlt es sich in jedem Fall ein Schulterpräparat anfertigen zu lassen.