Wir haben in den letzten Jahren mit dem Saddle Hunting begonnen. Damals als Gemeinschaftsprojekt zusammen mit Alexander Busch von Hubertus Fieldsports. Nach der Veröffentlichung des Artikels haben wir sehr viel Zuspruch aus der Jagdgemeinde erfahren u.A. von Jochen Sander, der im folgenden Artikel seine Erfahrungen mit dem Tree Saddle an Euch weitergeben möchte.

Als ich zu meinem 60. Geburtstag stolz meinen neuen Klettersitz ausgepackt hatte, fing ich an auf YouTube nach Anleitungen für dessen Gebrauch zu fahnden. Es dauerte nicht lange während ich auf englischsprachigen Kanälen unterwegs war und ich stolperte über die Verlautbarung: Klettersitz sei doch ein alter Hut: „Saddle Hunting“ sei angesagt. Das sei komfortabler, leichter zu transportieren und auch noch flexibler. Bei allem Stolz über meinen frisch erbeuteten Klettersitz und der daraus erwachsenen Skepsis war doch die Neugier erwacht herauszufinden was dahintersteckte. Mittlerweile experimentiere ich jetzt seit 2 Jahren mit dem Tree Saddle herum, bin noch lange nicht perfekt dabei und möchte aber meine bisherigen Erfahrungen gerne weitergeben.

Was ist nun eigentlich Saddle Hunting?

Die Idee bei der Sache ist, mit wenig Material eine erhöhte Ansitzposition einzunehmen, um auf dieser eine angemessene Zeit auszuharren. Das klingt jetzt etwas gestelzt aber wir kommen noch auf die Details zu sprechen.

Woher kommt Saddle Hunting?

Kurze Antwort: aus den USA. Nach dem was ich auf YouTube erfahren habe hat der amerikanische Jäger grundsätzlich die Möglichkeit auf privatem Landbesitz zu jagen, was dann in etwa unserem Reviersystem entspricht, oder er erwirbt eine Lizenz zum Abschuss eines oder mehrerer Stücke Wild auf öffentlichen Landflächen. Hier tummeln sich dann die Jäger in der Nähe von Parkmöglichkeiten und es erscheint vorteilhaft so weit wie möglich zu Fuß von diesen Parkplätzen wegzugehen, um der jägerischen Konkurrenz auszuweichen. Auf diesen öffentlichen Flächen sind feste Jagdeinrichtungen wie etwa Hochsitze entweder verboten, oder es besteht die Befürchtung, dass an dem geplanten Ansitztag schon jemand anderes auf meinem Platz sitzt bzw. das Wild an dieser Stelle schon erlegt wurde. Insgesamt ist die Jagd mit dem Baumsattel (wie ich es jetzt mal nennen möchte) bei der Jagd mit dem Bogen besonders beliebt, vermutlich weil der Jäger mit diesem Hilfsmittel leichter nah ans Wild herankommt.

Wem nützt Saddle Hunting bei uns in Deutschland?

Zunächst würde ich mal vereinfacht sagen: dem Waldjäger. Das betrifft sowohl die Einzeljagd als auch die Gesellschaftsjagd. Im Wald ist die Sichtweite stark eingeschränkt und man muss deshalb nah ans Wild. Hierbei ist es vorteilhaft eine gewisse Höhe zu erklimmen. Einerseits kann uns das Wild dann optisch nicht so leicht entdecken, andererseits ist auch die menschliche Witterung nicht ganz so leicht und in der Richtung eindeutig auszumachen. Das ist ein Punkt über den zu diskutieren meiner Ansicht nach lohnt.

Deutsche Fachausdrücke

Wünschenswert wäre deutsche Benennung der verwendeten Begriffe. Baumsattel? Die Vorstellung einen Baum zu reiten hat was. Sattelbrücke? Der englische Ausdruck „bridge“ kommt bei der jagdlichen Form des Baumbesteigens gleich 2-mal vor: einmal als Bestandteil des Sattels und zum anderen als Seilstück, was zwischen dem Baumsattel und dem Blake-Knoten bei der Seilklettertechnik eine Rolle spielt. Climbing Stick – kurze Leiter, die z.B. mit Spanngurt am Baum befestigt wird. Climbing Step – Einzelner Tritt, der mit Gurt oder Seil am Stamm befestigt werden kann. Aider – so wird eine kurze Strickleiter bezeichnet, manchmal reicht eine einzelne Schlaufe aus. Stand / Plattform. Im englischen Sprachgebrauch wird wohl als „stand“ ein kompletter Sitz bezeichnet, also das was wir als Kanzel, Leitersitz oder auch Klettersitz bezeichnen. Die „Plattform“ hingegen ist nur der Teil, auf den der „Satteljäger“ seine Füße stellt.

Drei Anschläge Saddle Hunting

Was ist an Ausrüstung nötig, um Saddle Hunting zu betreiben?

Allgemeine Bestandteile des Jägerinventars wie Hut, Jacke und Waffe lasse ich mal außer Acht, aber enganliegende Kleidung mit Stretchgewebe ist vorteilhaft. Erforderlich sind ein Baumsattel, eine Plattform und diverse Seile. Außerdem ist noch eine Klettermethode nötig.

Der Baumsattel

Ein wesentlicher Teil des Baumsattels ist sein Sitz. Er besteht im Wesentlichen aus Gurtbändern, die bei vielen Ausführungen noch mit Gewebestreifen verbunden sind. Eine grobe Unterteilung in single panel und double panel ist üblich und Hybridsättel mit fester Sitzfläche werden auch angeboten (wobei sich das „hybrid“ auf die Unterscheidung zwischen stand und saddle bezieht). Die Gurtbänder, egal ob mit oder ohne Gewebe werden über einen Gürtelverschluss am Körper gehalten.

Rechts und links der Beckenknochen des Trägers ist die „bridge“ angebracht. Diese kann aus Gurtband oder Seil bestehen, sie ist teils in der Länge fixiert, teils verstellbar. In die Bridge hängt man die Baumsicherung (englisch: lanjard, amerikanisch: tether) ein, oder man befestig daran das Kletterseil. Die bridge ist zu einem großen Teil am Sitzkomfort beteiligt. Von den Befestigungspunkten der bridge (den bridge loops) nach außen, gelangt man zu den „linemans loops“ in die das „linemans rope“ eingehängt wird. Dieses zusätzliche Sicherungsseil ermöglicht vor allem ein freihändiges Arbeiten beim Aufstieg.

Erwähnenswert erscheinen mir noch die Beingurte, die dazu dienen den Sattel beim Klettern in Position zu halten. Sie können bei manchen Sätteln abgenommen werden und spielen nicht für alle Klettermethoden eine Rolle.

Die Plattform

Um eine zeitlang im Baum auszuharren, benötigt man eine Möglichkeit die Füße abzustellen, sonst erleidet man nach kurzer Zeit ein Hängetrauma. Diesen Dienst kann auch ein starker Ast erledigen, aber das würde die Auswahl geeigneter Kletterbäume sehr stark einschränken. Hier kommt die Plattform ins Spiel. Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir keine fest installierte Einrichtung im Baum haben wollen und auch die Rinde nicht übermäßig verletzen wollen, müssen wir in irgendeiner Form eine textile Befestigungsmöglichkeit wählen. Die meisten Plattformen werden mit Spanngurten geliefert, aber es sei kurz erwähnt, dass es vielfältige Modifikationen gibt.

Eine Variante die Füße abzustellen ist auch ein „ring of steps“. Hierbei werden mehrere steps (meist 4-5) auf einen Spanngurt aufgezogen und so am Baum befestigt, dass sie um den Stamm verteilt sind. Unter den Klettermethoden möchte ich hier nur die baumfreundlichen Möglichkeiten aufzählen, das heißt konkret, dass für mich Sporen und fest eingeschraubte Bolzen nicht in Frage kommen. Die Seilklettertechnik bietet 2 Optionen, zunächst DRT / MRT (steht für Double Rope Technique bzw. Moving Rope Technique) und die SRT (steht für Single Rope Technique bzw. Stationary Rope Technique).

Bei der DRT wird das Seil über einen Ast geführt, und zwar direkt bei der Ansatzstelle am Stamm, und zwar derart, dass beide Seilenden beim Kletterer liegen. Als Faustregel gilt dabei, dass ein armdicker gesunder Ast den Kletterer trägt. Mittels spezieller Knoten und ein wenig Übung ist man nun in der Lage sich selbst hochzuziehen.

Für die SRT wird das Seil mit Hilfe einer Schlaufe an einem fixen Ankerpunkt im Baum befestigt und der Stamm kann dann mit Hilfe von Steigklemme und Fußschlaufe erklommen werden. Zusätzlich wird noch eine Abseilhilfe benötigt, in meinem Fall ein Petzl Grigri (eigentlich ein Sicherungsgerät) aber sowas gibts auch von anderen Firmen und ein Abseilachter funktioniert auch.

OneStick Klettern

Für die Seilklettertechnik ist es ratsam noch Prusik-Schlingen mitzuführen, damit kann die Sicherheit erhöht werden. Bei den „Climbing Sticks“ handelt es sich im Grunde genommen um stark verkürzte Leitern, die über einen Holm in der Mitte verfügen und 2-3 Stufen aufweisen. Bei amerikanischen Jägern sind Sets mit 2-4 Sticks üblich, wobei der Abstand zwischen den Sticks noch mit Strickleitern (sogenannten Aidern) vergrößert werden kann und damit bei gleicher Anzahl von Sticks größere Höhen erreicht werden können. Der Vorteil von diesen Strickleitern ist das geringe Gewicht nachteilig sind mögliche „kick outs“, das ist ein seitliches Wegrutschen des Fußes. Auf der Zielhöhe angekommen installiert man dann die Plattform, auf der man während der Dauer des Ansitzes die Füße abstellt.

Eine Besonderheit stellt das „one sticking“ dar, wobei Stick und Plattform miteinander kombiniert sein können. Dabei klettert man zunächst auf seinen Stick, setzt sich dann in den Baumsattel und versetzt den Stick nach oben, um beim nächsten Klettervorgang etwas höher zu gelangen, das wiederholt man so oft, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. One-Sticks werden üblicherweise mit Curryklemmen (amerikanisch: cam cleat) aus dem Seglerbedarf ausgestattet, damit sie, mittels Seils am Baum befestigt, leicht auch wieder umgesetzt werden können.

Durchführung:

Um mit dem „saddle hunting“ anzufangen muss man zuerst mal über das nötige Material verfügen. Wenn man sich das besorgt hat, ist es ratsam zunächst in Bodennähe zu üben. Günstig ist auf jeden Fall, wenn man zunächst zu zweit ist, es können anfangs auch in geringer Höhe Situationen eintreten, in denen man allein etwas hilflos ist. Sobald die Sicherheit im Umgang mit dem Material eingetreten ist, kann die Kletterhöhe gesteigert werden, wobei nach und nach auch eine gewisse Gewöhnung an die Höhe eintritt. Generell sollte man nicht nur so lang üben bis man‘s kann, sondern solange bis man es nicht mehr falsch machen kann.

Wenn diese Klettertechnik auf der Jagd einsetzt, wird, sind Schusswaffen im Spiel, außerdem gehen viele Ansitze bis zum Einbrechen der Dunkelheit und auch dann möchte man ja noch sicher zum Boden zurückkommen. Eine Stirnlampe kann dabei gute Dienste leisten.

Keine Jagdbeute ist es Wert dafür im Krankenhaus zu landen!

Ruhepositionen

Zum Schluss möchte ich noch Vor- und Nachteile zusammenfassen:

Vorteile des Saddle Huntings

  • Mit dem Baumsattel ist man im Wald unglaublich flexibel, das heißt man kann sehr zeitnah (zum Beispiel am nächsten Tag) auf gesichtetes, aber in der Situation nicht bejagbares Wild reagieren.
  • Der Sattel kann sowohl bei der Einzel- wie auch auf der Drückjagd eingesetzt werden.
  • Der Jäger ist nicht auf fremde oder anderweitig unbeaufsichtigt im Wald herumstehende Jagdeinrichtungen angewiesen.
  • Durch die erreichte Höhe bieten sich neue Möglichkeiten in Bereiche zu schauen, die anderweitig nicht einsehbar sind deshalb ist man auch nicht ausschließlich auf die Bejagung von Äsungsflächen oder Schneisen angewiesen.
  • Es ist möglich die alleinige Kontrolle über die eigene Sicherheit zu übernehmen.
  • Kugelfang ist kein Thema mehr.
  • Die Landschaft wird nicht mit kuriosen Bauwerken verschandelt.
  • Schäden an Bäumen sind gering.
  • Saddle Hunting macht Spaß!

Nachteile des Saddle Huntings:

  • Der Ansitz im Baumsattel ist stark wetterabhängig, sowohl Regen als auch Wind können einem sehr zusetzen.
  • Das Beziehen der Ansitzposition ist nicht geräuschlos.
  • Die erreichbare Höhe (ich bevorzuge den Bereich von 8 – 10 m) ist nicht ungefährlich, z.B. haben es Rettungskräfte bei Herzinfarkt oder Schlaganfall schwer zu helfen.
  • Schüsse auf weite Entfernungen sind oft nicht machbar, weil der Anschlag entweder angestrichen oder freihändig erfolgt.

„Saddle Hunting“ ist machbar und es lohnt, sich damit vertraut zu machen. Die jagdlichen Erfolge werden sich nicht immens erhöhen aber die Intensität des Erlebnisses steigt gewaltig.

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