Im Sommer des vergangenen Jahres haben wir euch über die aus unserer Sicht möglichen Verwendungen und besonders die Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Aufklärung im eigenen Revier mittels Wildkameras berichtet.

Muffelwidder Zwillinge

Nun möchten wir nach einer fast einjährigen Nutzungsphase dreier verschiedener Modelle über deren praktische Vorteile informieren und damit dem ein oder anderen, der vor der Entscheidung steht, sich eine Wildkamera anzuschaffen, eine Entscheidungshilfe an die Hand geben.

Natürlich ist die Medienlandschaft mittlerweile gefüllt mit Informationen und sogar professionell gestalteten Websites, die sich ausschließlich dem Thema Wildkameras widmen und diese ferner auch vertreiben. Viele der dortigen Beiträge sind mit sehr ausführlichen technischen Informationen gefüllt. Aber sind diese Details auch relevant für unsere jagdliche Praxis? Blitzintensitäten, Auslösereichweiten, Auslösezeiten usw. sind nur einige der immer wieder vorkommenden Begriffe. Neben dem Einblick in die von uns getesteten Wildkameras wollen wir auch der Frage der jagdpraktischen Tauglichkeit solcher Parameter auf den Grund gehen.

Die Testmodelle

In unserem speziellen Fall waren wir in der Lage, uns die folgenden Modelle näher anzuschauen und dadurch über mehrere Monate mit unterschiedlichen Phasen der Witterung, Vegetation und natürlich den Lebenszyklen unserer Hauptwildarten Ergebnisse zu sammeln.

Zur Anwendung kamen die Modelle:

  1. DTC 390
  2. DTC 450 SLIM und
  3. DTC 550 (alle drei Modelle stammen vom Kameraspezialisten MINOX aus Wetzlar).
Minox Wildkameras DTC 390_450 Slim und 550

Der Versuch macht klug

Jede Kamera besitzt im Wesentlichen die gleichen Eigenschaften. Für uns ist in allererster Linie wichtig, dass wir auf den Bildern auswertbare Informationen gewinnen und das am besten mit leichter Bedienung und unter sämtlichen Bedingungen, die uns in unseren deutschen Jagdrevieren begegnen können, d.h. Sonne, Nebel, Schnee, Tag, Nacht, Dämmerung etc.

Muffelwild in der Nacht

Hier haben wir festgestellt, dass die einzelnen Modelle so viele Einstellungsmöglichkeiten haben, dass man diese als normaler „Wald- und Wiesenjäger“ gar nicht ausnutzen wird. Vermutlich hängt es mit der Mikroelektronik und der Software zusammen, die offenbar für die Hersteller die Möglichkeit schafft, ohne weiteres scheinbar unendlich viele Applikationen in diese kleinen Kameras zu stecken, was schon faszinierend ist. Eine besondere Bedeutung hat die Einstellung der Blitzintensität, die für überbelichtete oder aber gut auswertbare Bilder sorgt und etwas Übung erfordert.

Die Batterien halten je nach Temperatur und Modi mehrere Monate. Wir verwenden hierbei wieder aufladbare Akkus. Ansonsten hat man aufgrund der vielen technischen Geräte, mal abgesehen von denen mit USB Anschluss, meist AA Batterien im Auto oder Rucksack, falls man mal die Kamera mit auf Reisen nimmt. Das haben wir auch tatsächlich getan und besonders da, wo wir mehrere Tage am Stück gejagt haben, die Kameras aus reiner Neugier mitgenommen.

Muffelwidder am Tag Minox DTC 390

Wenn man einmal mehrere Tage auf Ansitz nichts sieht, dann ist das eigentlich normal. Aber immer wieder faszinierend sind die vermeintlichen Gründe dafür. Zu später Stunde fällt einem im Kreise der Jagdkameraden sehr viel ein, was daran schuld gewesen sein könnte, dass nun ausgerechnet in diesem Zeitraum niemand etwas gesehen oder erlegt hat. Wenn man am Tag der Erkundung einfach mal einige Kameras aufhängt, hat man vielleicht Ergebnisse zu anderen Uhrzeiten als zu denen, an denen man selbst im Revier präsent ist. Unsere eigenen Erfahrungen sind dabei exemplarisch: Auf einmal steht ein Widder um neun Uhr morgens auf ca. 100 Schritt vor der Kanzel…. Aber man selbst sitzt da natürlich schon am Frühstückstisch und stärkt sich nach der kurzen Nacht.

Oder der Keiler steht pünktlich um 11 Uhr auf der Probekirrung, die man angelegt hat, um einfach mal zu sehen, ob überhaupt etwas geht. Aber da findet bestimmt gerade mit vollem Bauch die Vorbereitung auf den notwendigen Mittagsschlaf statt. Oder man versucht sein Glück während einer Mondphase und war nur leider wieder nicht am richtigen Platz…

Keiler im Revier
Wildkamera Minox DTC 550 Sauenrotte in der Nacht

Wie auch immer, wir möchten eine bzw. mehrere Wildkameras nicht mehr missen. Mit den drei verwendeten Modellen haben wir in der mehrmonatigen Testphase nur einmal mit dem Modell DTC 390 nicht ergründbare technische Probleme gehabt. Die Kamera war bedienungsunfähig. Hier haben aber die versprochene Garantie und der unkomplizierte Service von MINOX in kürzester Zeit Abhilfe geschaffen und uns wurde ein neues Gerät zugesandt. Die DTC 450 SLIM und die DTC 550 haben durchweg gearbeitet.

Video ja oder nein?

Mit den drei Kameras haben wir also aus dem Winter 2017 in den Frühling rein, über die Setz- und Blattzeit, die Dam- und Muffelwildbrunft und die kurzen Phasen der eigentlich kalten Jahreszeit über mehrere hundert Fotos bekommen. Die Videofunktion, über die alle drei Modelle verfügen, haben wir zum Testen ebenfalls verwendet. Für unsere Zwecke ist diese jedoch überbewertet. Wir können uns jedoch vorstellen, dass das vielleicht im Bereich der Objektüberwachung, bei der Beobachtungskameras ja definitiv eine gute Hilfe darstellen, von Relevanz ist. Die Filme sind bei allen Kameras von hoher Qualität. Wer also Spaß daran hat, findet darin auf jeden Fall eine Bereicherung. Man kann verschiedene Aufnahmedauern einstellen. Die Auslösezeit ist zwar bei allen Kameras sehr kurz, also meist unter einer Sekunde, aber man sollte die Filmlänge schon maximal ausreizen, weil das definitiv bessere Eindrücke gibt. Nur am Ende steht man vor den SD Karten und möchte die Ergebnisse auswerten. Sicherlich nicht jeder Jäger hat die notwendige Zeit, um das Videomaterial auszuwerten – zumal man ein Bild mit den Jagdkameras auch einfach mal schnell verschicken kann.

Einstellen Minox DTC 450 Slim

Die einzelne Handhabung unterscheidet sich ein wenig zwischen der DTC 390 und der DTC 550. Wir haben die Suche in den Menüs als sehr einfach empfunden. Nur für die Herausnahme der SD Karten ist etwas Fingerspitzengefühl notwendig. Für die Bildqualität hat das aber natürlich keine Auswirkungen. Bei dem Modell DTC 450 wurde das durch eine Frontbedienung außerordentlich clever gelöst.

Das Modell SLIM lässt sich von vorn durch Öffnen einer Klappe komplett bedienen und durch das auf der Front angebrachte Display auch ohne weiteres über Kopf einrichten. Die SLIM ist unser absoluter Favorit in Bezug auf die Handhabung und auch die Anbringung an Bäumen oder Säulen. Durch ihre schlanke Bauart verschwindet sie regelrecht in der Landschaft. Die Gurte mit den Schnellverschlüssen empfinden wir als deutlich anwendungsfreundlicher als die Zurrbänder der anderen beiden Modelle. Gut, die DTC 390 lässt sich teilen. Man kann also den reinen Kamerakörper von dem Befestigungskörper trennen und diesen dann deutlich erleichtert anbringen.

Auswahl verschiedene Minox Wildkameras

Nichtsdestotrotz, das Probebild, welches wir gerne zum Einstellen am Aufklärungspunkt machen, lässt sich mit der SLIM ruck zuck erledigen. Bei den anderen beiden muss man jeweils den Deckel öffnen und dann mit Auf- und Zu- Bewegungen schauen, ob es passt. Wenn dann noch die PIN aktiviert ist, braucht es etwas Geduld alles fertig zu bringen.

Die Kameras kann man alle mittels Fahrradschloss oder Kabelschloss anbinden. Das ist auch ratsam, denn (warum auch immer): es gibt genug Personen, die die Kameras finden und sich unerlaubterweise aneignen. Der PIN ist nett, hält Diebe aber leider auch nicht davon ab, die Kameras trotzdem mitzunehmen. Wir haben Freunde, die sich sogar komplette Säulen im Wald als Dauerpunkte einbetoniert haben, an denen ihre Kameras in Kästen verschlossen eingesetzt werden.

Wildkameras im Revier

Fazit

Alles in allem haben alle Kameras super Bilder geliefert, die uns im Revieralltag oder auch auf den Kurzjagdreisen wertvolle Informationen brachten.

Ob nun Bastböcke, den Zeitpunkt des Verfegens, die Anlage von Brunftkuhlen, das erneute Frischen der Bachen im Jahresverlauf oder auch qualitative Merkmale bei den Trophäenträgern; wir haben wöchentlich, ohne selbst permanent das Revier mit unserer Anwesenheit zu verstänkern, mit allen drei Systemen gute bis sehr gute Bilder und damit wertvolle Informationen über das Revier gewinnen können.

Rehboecke-im-Revier

Die SLIM hat es uns durch ihre Handhabung besonders angetan. Wir statten das Revier jetzt mit sechs solchen Kameras aus. Wer die einmal in der Hand hatte, möchte eigentlich keine andere Wildkamera mehr haben.

Der Preis liegt über dem Niveau anderer Modelle oder Modellen anderer Anbieter. Mancher Discounter hat mittlerweile auch regelmäßig Beobachtungskameras im Angebot. Die funktionieren zwar auch, bieten jedoch nicht den gleichen Bedienungskomfort und Service.

Gerade das aufgetretene technische Problem mit der DTC 390 hat uns allerdings in Bezug auf die zweijährige Garantie und den sehr kompetenten und unkomplizierten Service aus Wetzlar davon überzeugt, dass das gut angelegtes Geld ist.

Auf der einen oder anderen Messe kann (und sollte) man sich die vielen Modelle einmal genauer ansehen. Zusammenfassend ist, wie schon erwähnt, die Bedienung der Modelle kein Hexenwerk und die Ergebnisse für die jagdliche Praxis sind unbestritten gut. In unserem Revier werden wir uns auf die DTC 450 SLIM mit ihrer praxistauglichen Bedienung festlegen (die kann man bei der jetzigen winterlichen Witterung sogar mit Handschuhen einstellen).

Viel Spaß beim Fotografieren und Auswerten!

Baummarder