Wie wir ein reales Trefferbild analysiert haben – und was Jäger daraus lernen können

Digitale Helfer sind aus dem jagdlichen Alltag kaum noch wegzudenken. Schießbuch-Apps, Ballistikrechner und Trainings-Tools
versprechen Übersicht, Vergleichbarkeit und objektive Zahlen. Gleichzeitig bleibt bei vielen Jägern eine zentrale Frage offen:
Was sagen mir diese Zahlen eigentlich über mein Schießen?

Genau an diesem Punkt setzt dieser Artikel an. Begleitend zu unserem Video haben wir ein reales Schießergebnis auf zwei unterschiedliche
Arten ausgewertet: einmal klassisch mit einer Schießbuch-App und einmal mithilfe einer KI-gestützten Analyse. Ziel war nicht, ein Werkzeug
gegen ein anderes auszuspielen, sondern transparent zu zeigen, wie unterschiedlich die Blickwinkel sind – und was man daraus lernen kann.

Ausgangsbasis: Ein reales Schießergebnis aus der Praxis

Die Grundlage unseres Vergleichs war bewusst kein perfektes Laborergebnis, sondern ein echtes jagdliches Schießergebnis,
wie es im Training regelmäßig entsteht.

Geschossen wurde unter folgenden Bedingungen:

  • Kaliber: .308 Winchester
  • Distanz: 100 Meter
  • Anschlag: sitzend aufgelegt
  • Ziel: klassische Ringscheibe

Das Trefferbild zeigt eine kompakte Schussgruppe im Zentrum der Scheibe. Zusätzlich sind weitere Treffer sichtbar, die aus vorherigen Serien
stammen. Für die Analyse wurde – wie auch im jagdlichen Training üblich – nur die zusammengehörige Schussgruppe betrachtet.
Ein Lineal im Bild diente als Referenzmaßstab für eine realistische Einschätzung der Abstände.

Wichtig an dieser Stelle: Es ging nicht darum, ein möglichst kleines Streukreis-Ergebnis zu präsentieren, sondern ein
typisches, reproduzierbares Trainingsbild, wie es viele Jäger von ihren Schießständen kennen.

Schritt 1: Die Auswertung mit der Rangebuddy App

Im ersten Schritt wurde das Trefferbild mit einer gängigen Schießbuch-App ausgewertet. Solche Apps sind für viele Schützen längst Standard,
weil sie objektive Messwerte liefern und Trainingseinheiten sauber dokumentieren.

Die App ermittelte unter anderem folgende Werte:

  • Gruppengröße in Millimetern
  • Streuung getrennt nach horizontaler und vertikaler Ausdehnung
  • Mean Radius als Maß für die durchschnittliche Trefferverteilung
  • Abweichung des Treffpunktes (POI) vom Haltepunkt (POA)

Diese Auswertung ist mathematisch präzise. Sie basiert auf klar definierten Parametern und erlaubt es, Serien miteinander
zu vergleichen, Fortschritte über Zeit zu dokumentieren oder unterschiedliche Munitionstypen objektiv zu bewerten.

Für die Trainingsdokumentation ist das ein großer Vorteil: Zahlen sind reproduzierbar, eindeutig und unabhängig von persönlicher Interpretation. In einem anderen Artikel auf dem Deutschen Jagdblog haben wir bereits die ANwednugn des Rangebuddys erklärt. Unterhalb des Artikels finden sie zusätzlich ein Video: https://deutscher-jagdblog.de/apps-jagd-range-buddy/

Schritt 2: Die KI-gestützte Analyse des Trefferbildes

Im zweiten Schritt wurde dasselbe Bild unabhängig davon durch eine KI analysiert – ohne Kenntnis der App-Ergebnisse. Dabei stand
nicht die reine Messung, sondern das Lesen des Trefferbildes im Vordergrund.

Das Vorgehen war dabei bewusst offen gelegt:

  • Visuelle Analyse der Schussgruppe
  • Abgrenzung der relevanten Treffer von älteren Einschüssen
  • Nutzung des sichtbaren Maßstabs zur Größenabschätzung
  • Betrachtung der Form der Gruppe (rund, oval, vertikal gestreckt)
  • Einschätzung der Trefferlage im Verhältnis zum Zielzentrum

Die KI stellte dabei andere Fragen als die App:

  • Wirkt die Gruppe ruhig oder unruhig?
  • Gibt es Hinweise auf systematische Fehler?
  • Was sagt die Form der Streuung über Anschlag, Atmung oder Abzug aus?
  • Ist das Ergebnis jagdlich belastbar?

Das Resultat war keine reine Zahl, sondern eine Einordnung: Streukreis im praxisnahen Bereich, leichte vertikale Ausdehnung,
insgesamt ruhiges und reproduzierbares Schützenbild, mit nur minimaler Korrekturreserve.

Warum sich die Ergebnisse unterscheiden – und warum das kein Fehler ist

Beim Vergleich der beiden Auswertungen fiel auf, dass sich einzelne Werte unterscheiden. Das ist kein Widerspruch, sondern eine direkte Folge
der unterschiedlichen Methodik.

Eine App misst konsequent die äußersten Trefferpunkte und berechnet daraus Streuung, Radius und Abweichung. Schon ein einzelner höher oder
tiefer liegender Schuss beeinflusst das Ergebnis messbar. Die KI hingegen bewertet das funktionale Trefferbild:
Wie geschlossen ist die Gruppe? Gibt es erkennbare Muster? Wie wirkt das Schießen insgesamt?

Beide Ansätze sind korrekt. Sie beantworten jedoch unterschiedliche Fragen:

  • Die App sagt: Wie groß ist meine Gruppe – exakt gemessen?
  • Die KI sagt: Was sagt dieses Trefferbild über mein Schießen aus?

Gerade im jagdlichen Kontext ist diese Unterscheidung entscheidend.

Der eigentliche Mehrwert: Was Zahlen allein nicht sagen

Digitale Schießbuch-Apps sind hervorragend geeignet, um Training zu dokumentieren. Sie zeigen, was passiert ist.
Was sie jedoch nicht leisten können, ist die Einordnung des Warum.

Eine KI-gestützte Analyse kann hier ergänzen:

  • Hinweise auf mögliche Ursachen leichter Abweichungen
  • Unterscheidung zwischen technischem Fehler und normaler Streuung
  • Jagdliche Bewertung der Treffergenauigkeit
  • Ableitung von Trainingsschwerpunkten

Gerade für Jungjäger, aber auch für erfahrene Schützen, liegt hier ein großer Mehrwert: Ein Trefferbild wird nicht nur gemessen,
sondern verstanden.

App vs. KI – kein Entweder-oder

Der Vergleich zeigt sehr deutlich: Es geht nicht darum, ein Werkzeug durch ein anderes zu ersetzen.

  • Die App ist stark in Struktur, Vergleichbarkeit und Dokumentation.
  • Die KI ist stark in Interpretation, Erklärung und Ausbildung.

In Kombination entsteht ein deutlich vollständigeres Bild als mit einem der beiden Werkzeuge allein. Zahlen liefern die Grundlage –
Interpretation macht sie nutzbar.

Fazit: Schießergebnisse richtig lesen lernen

Ein gutes Trefferbild beginnt nicht auf der Scheibe, sondern im Kopf des Schützen. Digitale Werkzeuge helfen uns, objektiver zu messen.
Doch erst die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Schießen sorgt für echte Weiterentwicklung.

Unser Fazit aus diesem Vergleich ist klar:

  • Messen ist wichtig.
  • Verstehen ist entscheidend.

Wer beides kombiniert, gewinnt nicht nur bessere Zahlen, sondern auch mehr Sicherheit – auf dem Schießstand und im Revier.

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