Viele Jäger kennen das Phänomen:
Die Waffe ist sauber eingeschossen, die Munition bewährt, der Anschlag fühlt sich richtig an – und trotzdem liegen die Treffer nicht dort, wo sie eigentlich sein müssten. Die Streukreise sind unerklärlich, einzelne Schüsse wandern, und am Ende bleibt oft nur ein diffuses Gefühl von Unsicherheit.

In sehr vielen Fällen liegt die Ursache nicht bei Waffe, Optik oder Munition.
Sondern bei einem Faktor, der unsichtbar bleibt, solange man ihn nicht gezielt überprüft: der Parallaxe.

Was Parallaxe im Zielfernrohr wirklich bedeutet

Parallaxe beschreibt vereinfacht gesagt eine Lageverschiebung zwischen Absehen und Zielbild.
Sie entsteht, wenn sich die Bildebene des Zieles und die Bildebene des Absehens nicht exakt decken.

Das Entscheidende dabei:
Die Waffe selbst bleibt vollkommen ruhig.
Der Schütze selbst macht nichts „falsch“.
Und trotzdem wandert das Absehen über das Ziel, sobald sich der Kopf minimal bewegt.

Solange man diesen Effekt nicht bewusst sucht, bleibt er oft unbemerkt. Genau deshalb ist Parallaxe einer der häufigsten Gründe für scheinbar unerklärliche Streuung – vor allem im Training.

Warum „scharf“ nicht automatisch parallaxfrei ist

Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, Parallaxefreiheit mit einem scharfen Zielbild gleichzusetzen.
Das Ziel kann gestochen scharf erscheinen – und trotzdem ist Parallaxe vorhanden.

Die Schärfe sagt lediglich aus, dass das Auge das Ziel klar erkennt.
Sie sagt nichts darüber aus, ob Absehen und Ziel tatsächlich auf derselben optischen Ebene liegen.

Deshalb ist es möglich, ein „perfektes“ Bild zu sehen und dennoch bei kleinsten Kopfbewegungen einen wandernden Haltepunkt zu erzeugen.

Parallaxe sichtbar machen – ganz ohne einen Schuss

Der große Vorteil an Parallaxefehlern ist:
Man kann sie erkennen, ohne einen einzigen Schuss abzugeben.

Der Test ist einfach:
– Die Waffe wird stabil aufgelegt
– Das Ziel wird sauber anvisiert
– Der Kopf wird minimal nach links, rechts, oben oder unten bewegt

Bleibt das Absehen exakt auf dem Ziel stehen, ist die Parallaxe korrekt eingestellt.
Wandert es sichtbar über das Ziel, liegt ein Parallaxefehler vor.

Diese einfache Überprüfung wird im Alltag oft vernachlässigt – dabei ist sie eines der wirkungsvollsten Diagnosemittel auf dem Schießstand.

Warum die Zahlen am Parallaxrad nur Orientierung sind

Viele Zielfernrohre sind mit Entfernungsangaben am Parallaxrad versehen.
Diese Zahlen vermitteln Sicherheit – sind aber in der Praxis nur grobe Richtwerte.

Parallaxe hängt nicht nur von der Entfernung ab, sondern auch von:
– der individuellen Sehstärke
– der eingestellten Vergrößerung
– der Konstruktion des Zielfernrohrs

Zwei Schützen können bei identischer Entfernung unterschiedliche Parallaxeeinstellungen benötigen.
Deshalb gilt:
Nicht auf die Zahl vertrauen – sondern auf das Verhalten des Absehens.

Vergrößerung: sichtbar machen, nicht verursachen

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Annahme, hohe Vergrößerung würde Parallaxefehler verursachen.
Das ist nicht korrekt.

Vergrößerung macht Parallaxe lediglich sichtbar.
Je höher die Vergrößerung, desto deutlicher zeigt sich eine fehlerhafte Einstellung – aber die Ursache liegt nicht in der Vergrößerung selbst.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, Parallaxeeinstellungen bei höherer Vergrößerung zu überprüfen. Fehler lassen sich so früher und klarer erkennen.

Warum Parallaxe im Training entscheidend ist

Im jagdlichen Alltag spielt Parallaxe auf kurzen Distanzen oft eine untergeordnete Rolle.
Im Training und auf dem Schießstand hingegen kann sie den Unterschied zwischen sauberer Analyse und falschen Rückschlüssen ausmachen.

Wer mit Parallaxefehlern trainiert, korrigiert häufig an den falschen Stellen:
– an der Munition
– an der Auflage
– am Abzug

Dabei liegt die Ursache ganz woanders.

Wer Parallaxe beherrscht, schaltet eine der wichtigsten Fehlerquellen bereits vor dem ersten Schuss aus – und schafft damit die Grundlage für ehrliche, reproduzierbare Ergebnisse.

Kein Hexenwerk – aber eine Frage der Aufmerksamkeit

Parallaxe ist kein kompliziertes Spezialthema.
Aber sie wird häufig übersehen, weil sie sich nicht ankündigt.

Wer weiß, worauf zu achten ist, kann mit wenigen Handgriffen:
– Streuung reduzieren
– Unsicherheit vermeiden
– Training effizienter gestalten

Und sich danach auf das konzentrieren, was wirklich zählt:
einen sauberen Ablauf, einen kontrollierten Schuss und eine klare Analyse.

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