Die Jagd und Hund ist für viele Jäger ein fester Termin im Kalender. Jahr für Jahr geht es nach Dortmund, um Neuheiten zu sehen, Gespräche zu führen, bekannte Gesichter zu treffen. Gleichzeitig hat sich der Blick auf diese Messe verändert. Nicht nur, weil sich Technik weiterentwickelt hat – sondern weil sich auch die Fragen verändert haben, mit denen wir auf eine solche Messe gehen.

Die Jagd und Hund 2026 habe ich bewusst nicht als klassischen Messebesucher erlebt. Kein Rundgang mit Kamera, keine Liste der neuesten Produkte. Stattdessen habe ich mir die Messe aus einer anderen Perspektive angesehen: aus der Sicht eines Ausbilders.

Gemeinsam mit Andy Spyra und Sebastian Stevens war ich an drei Tagen vor Ort. Unser Fokus war nicht, was neu ist, sondern was davon wirklich relevant ist – für Ausbildung, für Praxis und für sauberes jagdliches Handwerk.

Die Messe als Ort – Atmosphäre und Realität

Die Jagd und Hund ist eine Consumer-Messe. Das merkt man sofort. Sie unterscheidet sich deutlich von Fachmessen wie der IWA oder der Enforce Tac. Der Charakter ist offener, volksfestlicher, niederschwelliger.

Interessant war, wie stark sich die Stimmung an den einzelnen Tagen unterschied.
Der Donnerstag war ruhig, sachlich, geprägt von Gesprächen mit Menschen, die sich bewusst Zeit nahmen.
Der Freitag blieb ebenfalls vergleichsweise entspannt, mit guten Zeitfenstern für Austausch.
Der Samstag hingegen war klar der Familientag: mehr Trubel, mehr Hunde, mehr Bewegung – eine andere Energie, nicht schlechter, aber eine andere.

Diese Unterschiede sind wichtig, wenn man Eindrücke einordnen will. Eine Messe ist kein statischer Ort, sie lebt von den Menschen, die sie besuchen.

Wo lagen die echten Innovationen?

Inhaltlich zeigte sich schnell: Die großen Innovationen waren nicht überall zu finden, sondern sehr klar in einzelnen Bereichen.

Im Waffenbereich stach vor allem die neue RS3 von Walther heraus. Nicht, weil sie laut beworben wurde, sondern weil konstruktive Details durchdacht gelöst wurden. Gerade Sicherung und Abzug zeigen, dass hier nicht nur ein neues Produkt, sondern ein weiterentwickeltes System vorgestellt wurde.

Im Munitionsbereich war das neue CDX-Geschoss von Blaser ein spannender Ansatz, insbesondere durch den breiten Geschwindigkeitsbereich, in dem es zuverlässig arbeitet.

Im Optikbereich war aus meiner persönlichen Sicht die Weiterentwicklung bei Zero Compromise Optic interessant. Keine Revolution, sondern konsequente Evolution – flachere Türme, überarbeitete Elektronik, bewährte Absehen. Oft sind es genau diese Details, die in der Praxis den Unterschied machen.

Im Ausbildungs- und Systembereich ging es weniger um völlig neue Produkte, sondern um die Weiterentwicklung bestehender Konzepte: Trainingssysteme, modulare Schaftlösungen, ergänzende Werkzeuge für Ausbildung und Training.

Entscheidend war dabei nicht dass es Neues gab, sondern wie sich diese Dinge sinnvoll einordnen lassen.

Masterclasses: Präzision braucht Einordnung

Ein zentraler Bestandteil der Messe waren die Masterclasses. Im Rahmen dieser Vorträge habe ich zum Thema „Der präzise Schuss“ referiert – bewusst nicht als Produktschulung, sondern als Einordnung.

Im Mittelpunkt standen drei Faktoren, die Präzision beeinflussen: Umwelt, Mensch und Material. Der Vortrag war eine Verdichtung dessen, was wir seit Jahren in der Ausbildung erleben: typische Fehler, Denkfallen und die Stellen, an denen Theorie und Praxis auseinanderlaufen.

Die Resonanz war durchweg positiv. Nicht, weil es um mich ging, sondern weil das Thema offensichtlich einen Nerv trifft. Viele Teilnehmer kamen mit der Erwartung, über Technik zu sprechen – und gingen mit der Erkenntnis, dass Präzision deutlich weniger mit Technik zu tun hat, als oft angenommen wird.

Gespräche, die hängen bleiben

Neben Vorträgen und Terminen waren es vor allem die Gespräche, die die Messe geprägt haben. Ein Thema kam dabei immer wieder auf: das Mucken.

Ich wurde sehr häufig darauf angesprochen – und das bestätigt das, was wir auch in der Ausbildung beobachten. Wichtig ist mir dabei eine klare Einordnung: Mucken ist keine psychische Krankheit, kein Makel und in den allermeisten Fällen etwas, das man sauber abtrainieren kann.

Viele Jäger haben mehr Angst vor dem Thema als vor dem eigentlichen Problem. Diese Angst wird häufig von außen verstärkt – durch Halbwissen, Foren und gut gemeinte, aber falsche Ratschläge.

Ein weiteres großes Thema war Fortbildung, insbesondere das jagdliche Schießen auf weitere Distanzen. Das Interesse daran ist spürbar gewachsen. Nicht als Trend im Sinne von „immer weiter“, sondern als Wunsch nach Verständnis, Kontrolle und sauberem Handwerk.

Digitalisierung und Ausbildung

Auffällig war auch die zunehmende Bedeutung digitaler Ausbildung. E-Learning, digitale Lernplattformen und ergänzende Trainingssysteme waren auf der Messe präsent – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur klassischen Ausbildung.

Richtig eingesetzt können diese Werkzeuge helfen, Inhalte vorzubereiten, zu vertiefen und Training unabhängiger von Ort und Zeit zu machen. Entscheidend bleibt jedoch die Einordnung. Technik ersetzt keine Verantwortung.

Was bleibt von der Jagd und Hund 2026?

Die Jagd bewegt sich innerhalb einer Nische. Und innerhalb dieser Nische entstehen weitere Spezialisierungen – insbesondere im Bereich Ausbildung und Präzisionsschießen.

Es gibt immer mehr Technik, immer mehr Möglichkeiten. Aber Technik allein löst kein Problem. Was es braucht, sind Einordnung, Ausbildung und ein Verständnis für Zusammenhänge.

Genau hier liegt aus meiner Sicht die Verantwortung von Ausbildern, Plattformen und Formaten wie den Masterclasses.

Persönliches Fazit

Für mich war die Jagd und Hund 2026 keine Messe der großen Showeffekte. Sie war eine Messe, die gezeigt hat, wie wichtig Einordnung geworden ist.

Die Masterclass war eine runde Sache. Die Gespräche waren ehrlich, das Interesse war da. Ich habe neue Kontakte geknüpft, unter anderem meinen Co-Autor Stefan Mayer kennengelernt, und viele Bestätigungen dafür bekommen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Nicht lauter.
Nicht schneller.
Sondern klarer.

Und genau deshalb war diese Messe für mich wertvoll.

Dieser Beitrag ist Teil der fortlaufenden Auseinandersetzung des Deutschen Jagdblogs mit Ausbildung, Technik und Verantwortung in der Jagd.