Ein wilder Tropfen aus der Community
Manche Flaschen kauft man.
Andere bekommt man geschenkt – und merkt sofort, dass sie mehr bedeuten als ihren Inhalt.
Dieses Zwetschgenwasser kam nicht über einen Händler, keinen Vertrieb und keine Agentur zu mir. Sondern von einem Leser des Deutschen Jagdblogs und gleichzeitig Kunden aus dem Waffenhandel. Ausgelöst wurde das Ganze durch unsere Buchvorstellung und die Beiträge zum Thema Schnapsbrennen. Offenbar wurde dabei schnell klar: Ich schätze gute Brände – und vor allem ehrliches Handwerk.
Was dann bei mir ankam, war keine gewöhnliche Flasche.
Die Flasche & Herkunft
„Assbergsfeuer“ steht auf dem Etikett.
Darunter: Zwetschgenwasser, 41 %, Ernte 2025.
Gebrannt wurde der Brand von Martin Gensty in Hilgert im Westerwald. Die Früchte stammen aus familiären Streuobstwiesen. Gemaischt und gebrannt wird hier nicht kommerziell, sondern aus Leidenschaft, Erfahrung und Tradition.
Besonders beeindruckt hat mich die kleine Auflage:
Flasche Nummer 11 von 14 aus dem Edelbrandanteil.
Das allein zeigt schon, worum es hier geht. Keine industrielle Produktion. Keine Vermarktung. Kein Hochglanzprodukt. Sondern ein Brand, der im kleinen Kreis entsteht – für Menschen, die so etwas zu schätzen wissen.
Selbst das Etikett erzählt diese Geschichte weiter: schlicht, ruhig, handwerklich. Keine Marketingbegriffe, keine Inszenierung. Dafür ein Satz, der fast alles erklärt:
„Leergut bitte zurückgeben.“
Genau das macht solche Brände besonders.
Verkostung
Nase
Schon beim ersten Öffnen steigt eine klare, ehrliche Zwetschgennote auf. Fruchtig, warm und sauber. Keine sprittige Schärfe, kein aggressiver Alkohol.
Dazu kommt eine feine Mandelnote, die hervorragend eingebunden ist und dem Brand Tiefe gibt, ohne ihn schwer wirken zu lassen.
Man merkt sofort: Hier wurde sauber gearbeitet.
Auch im Glas zeigt der Brand Qualität. Klar und brillant, ohne Fasslagerung oder künstliche Einflüsse. Beim Schwenken läuft er schön sehnig am Glas herunter – genau so, wie man es sich bei einem hochwertigen Obstbrand wünscht.
Mund
Am Gaumen bestätigt sich der erste Eindruck sofort.
Der Brand ist bemerkenswert mild und rund. Keine alkoholische Härte, keine unangenehme Schärfe. Stattdessen eine konzentrierte Zwetschgenfrucht, die zeigt, was gutes Brennen eigentlich bedeutet: Geschmack zu verdichten, ohne den Charakter der Frucht zu verlieren.
Gerade das spricht für eine hervorragend angesetzte Maische und viel Erfahrung beim Brennvorgang.
Der Alkohol trägt die Aromen – er überdeckt sie nicht.
Nachhall
Im Nachhall entwickelt sich genau die Wärme, die ein guter Obstbrand haben sollte.
Weich, ruhig und lang anhaltend gleitet der Brand den Rachen hinunter. Und erst danach kommt die Frucht noch einmal richtig zurück. Nicht laut. Nicht künstlich. Sondern ruhig und klar.
So etwas bleibt im Gedächtnis.
Charakter
Ganz ehrlich: Das ist einer der besten Zwetschgenbrände, die ich in letzter Zeit trinken durfte.
Und gerade deshalb ist diese Flasche für mich etwas Besonderes. Denn viele hervorragende Brände in Deutschland tragen keinen großen Namen. Sie stehen in keiner Werbung und gewinnen keine Reichweite über Marketing.
Sie entstehen auf Streuobstwiesen, in kleinen Brennereien und in Familien, die dieses Wissen seit Jahren oder Jahrzehnten weitertragen.
Genau dort schlummern die eigentlichen Perlen.
Und dieses Zwetschgenwasser gehört definitiv dazu.
Der passende Moment
Das hier ist kein Party-Schnaps.
Kein schneller Kurzer.
Und auch nichts, das man gedankenlos ausschenkt.
Das ist ein Brand für ruhige Abende. Für Gespräche nach einem langen Seminartag. Für den Tisch nach der Jagd. Für Menschen, die sich Zeit nehmen.
Ich freue mich jetzt schon darauf, diesen wilden Tropfen irgendwann im Kreis der Schießausbilder oder mit Menschen zu teilen, die genau solche handwerklichen Dinge wertschätzen können.
Ein persönliches Dankeschön
Dass ich Flasche Nummer 11 von 14 bekommen habe, empfinde ich wirklich als Ehre.
Und genau deshalb wollte ich diesem Brand auch die Aufmerksamkeit geben, die er verdient – nicht nur mit einem kurzen Foto, sondern mit einer ehrlichen Würdigung.
Tausend Dank dafür.
Solche Gesten zeigen, was Community eigentlich bedeuten kann.
Abschließender Gedanke
Manche Brände kann man kaufen.
Andere bekommt man nur geschenkt.Und genau die vergisst man meistens nie.

















